potnia en

Maria Marshall

Sirenen

12.10.07 - 08.11.07




In der griechischen Mythologie waren die Sirenen dämonische Wesen, die Reisende mit ihrem Gesang bezauberten und ins Verderben rissen. Heute steht derselbe Begriff für alles, was fasziniert und mit fatalen Folgen verführt.
»Sirenen« lautet auch der Titel der Ausstellung der berühmten britischen Künstlerin Maria Marshall, die sich unter anderem durch die erschütternd kritische Betrachtungsweise auszeichnet, mit der sie sich Themen nähert wie der kindlichen Seele, der Unschuld, der Herausforderung des Erwachsenwerdens und des reifen Handelns. Kernstück der griechischen Ausstellung ist das Werk «Sophikon bei Epidauros 31.8.2007». Hierbei handelt es sich um einen Film (35 mm), der in Griechenland für Griechenland gedreht wurde, ein Werk, dessen Entstehen mit einer der größten nationalen und ökologischen Katastrophen, die unser Land in seiner zeitgenössischen Geschichte erlebt hat, verwoben sein sollte.
Der Drehort, den die Künstlerin für das Hauptwerk der Ausstellung ausgewählt hat, ein geschichtsträchtiges, kleines Kirchlein in Sophikon bei Epidauros, nur wenige Kilometer vom antiken Theater entfernt, war gleichzeitig Schauplatz einer unvorstellbaren Naturkatastrophe – das Ergebnis einer kollektiven Orientierungslosigkeit und chronischer Gleichgültigkeit.
Aufgrund dieser unerfreulichen aber so entlarvenden Koinzidenz erlangt die Ausstellung »Sirenen« von Maria Marshall über ihren künstlerischen Wert hinaus eine mahnende ja fast prophetische Subtilität, die einer Parabel nahekommt.